AG Potsdamer Regional Regionalgeld für Potsdam und Umland
zur Förderung nachhaltiger, regionaler Wirtschaftskreisläufe

 

Ausgangssituation

Die wirtschaftliche Situation in Deutschland ist derzeit gekennzeichnet durch wachsende Verschuldung der öffentlichen Hand, der Unternehmen und Haushalte. Globalisierte Wertschöpfungsketten entziehen den regionalen Märkten die finanziellen Mittel ohne dabei soziale und ökologische Verantwortung in den Regionen wahrzunehmen. Breite Bevölkerungsschichten werden durch Arbeitslosigkeit und Abbau sozialer Sicherungssysteme ausgegrenzt, allgemeine Konzeptlosigkeit läßt persönliche Perspektivlosigkeit entstehen.

 

Was ist Regiogeld?

Geld im allgemeinen ist ein zum Leistungs- und Warentausch unverzichtbares und wertvolles Instrument, aber muß es wirklich immer Euro sein? Regiogeld ist ein Umlaufmittel für den Austausch von Waren und Dienstleistungen, das innerhalb einer begrenzten Gemeinschaft parallel zur gesetzlichen Währung akzeptiert wird. Es ist ein zwischen Verbrauchern, Anbietern, Vereinen und Kommunen demokratisch vereinbartes Medium, das innerhalb einer Region als Zahlungs-, Investions- und Schenkungsmittel verwendet werden kann. Wo sich der Euro zurückzieht, soll Regiogeld ihn ergänzen. Regiogeld fördert und stabilisiert also die regionale Wirtschaft, es erhöht die Liquidität, hält Arbeitsplätze und damit Kaufkraft in der Region. Regiogeld begünstigt damit ökologisch sinnvolles und soziales Wirtschaften, dem Ausbluten und der wirtschaftlichen Verödung schwächerer Regionen wird so entgegen gewirkt.

 

Regionalgeld im Trend

Derzeit entstehen überall im Land komplementäre Währungssysteme. 12 Regionalgeldprojekte haben bereits ihre Arbeit aufgenommen, über 25 weitere stehen in den Startlöchern, sie heißen Chiemgauer, Justus, Roland, Kirschblüten, BERLINER. Aus den vielen Einzelinitiativen hat sich inzwischen das deutschlandweite Regionetzwerk gebildet, das u.a. Wissensvermittlung und Zusammenarbeit organisiert, aber auch Qualitätsstandards für Regiogelder festgelegt hat, und diese bei seinen Mitgliedern überwacht.

 

Fließendes Geld

Viele Regionalwährungen sind mit einer sogenannten Umlaufsicherung versehen. Damit die Scheine permanent im Umlauf bleiben und das System finanziert werden kann, wird auf die Scheine eine geringe Nutzungsgebühr erhoben, ganz ähnlich wie wir das von anderen öffentlichen Transportmitteln kennen. Ausgehend von der Erkenntnis, dass ein Zahlungsmittel nur seine Funktion erfüllt, wenn es in der Realwirtschaft in ständigem Fluß bleibt, bezeichnet man Regionalgeld auch als „Fließendes Geld“. Der Effekt der Umlaufsicherung, der sich am Umsatz der Beteiligten deutlich macht, ist dabei um ein vielfaches größer als die durch sie entstehenden Kosten.

 

Regiogeld und Lokale Agenda 21

Die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe und der daraus resultierenden sozialen Beziehungen gilt seit der Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ des Wuppertal-Instituts als bedeutendes Leitbild von Nachhaltigkeit. Regionalisierung gilt als zukunftsfähiges Instrument zur Herstellung einer Balance zwischen wirtschaftlicher Effizienz, ökologischer und sozialer Gerechtigkeit.

Durch die Globalisierung gehen im Wirtschaftsleben zunehmend soziale Sinn- und Beziehungszusammenhänge verloren. Regionalisierung kann diesem Trend nachhaltig entgegen wirken. Das entsprechende Leitbild der von Misereor und dem BUND herausgegebenen Studie betont die vielfältig positiven Wirkungen gestärkter lokaler und regionaler Wirtschaftsräume.

Durch eine Wirtschaft der nahen Wege verringert sich die mit langen Transportwegen verbundene Umweltbelastung. Der dadurch entfallende Fernverkehr verringert zudem den Naturverbrauch und die Lärmbelästigung in der Region. Die sozialen Beziehungen der miteinander wirtschaftenden Menschen werden gestärkt. Auf der Basis persönlicher Beziehungen wird es leichter, soziale und gemeinwohlorientierte Aspekte in das Wirtschaftsverhalten zu integrieren.

Schließlich verhindert Regionalisierung die Monopolisierung und strukturelle Verarmung der Region. Im globalen Wettbewerb werden mittelfristig nur wenige Branchen in der Region als große überlebensfähige Wirtschaftseinheiten erhalten bleiben. Regionale Kreisläufe ermöglichen den Erhalt einer bunten Vielfalt von Unternehmen. Regionalisierung stärkt damit auch die örtliche Wirtschaft in ihrer Unabhängigkeit gegenüber Krisen in einzelnen Branchen.

International orientiert sich die Wirtschaftspolitik am Vorbild aus den Industrieländern. Eine stärkere Regionalisierung unserer Wirtschaft als Balance zur Globalisierung motiviert also mittelfristig auch Entwicklungsländer zur Wertschätzung und Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe (deren Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit inzwischen von immer mehr - auch staatlichen - Akteuren der Welt gesehen und betont wird).

(aus: Regiogeld als innovatives Instrument der LA 21, Ralf Becker, Regionetzwerk)

 

Scheine
Regionalwährungen in Deutschland: BERLINER Wertgutschein, Chiemgauer, KANN WAS, Urstromtaler



Thierse
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse beim Start des BERLINER Wertgutscheins